Reisekrankheiten

Soll man herrenlose Tiere aus dem Ausland importieren?

Grundsätzlich ist der Gedanke, einem armen Streuner ein neues Zuhause zu bieten, ein gutes Ansinnen. Man vergisst jedoch, dass die importierten Tiere gefährliche Krankheiten haben können, beispielsweise Leishmaniose, Herzwürmer oder Blutparasiten (Babesiose, Piroplasmose).

Am häufigsten wird Leishmaniose importiert. Man geht davon aus, dass in den betroffenen südlichen Ländern jeder 6. Hund mit dem Erreger der Leishmaniose infiziert ist. Der Erreger wird durch eine Mücke übertragen. Zurzeit sind diese Mücken noch nicht in der Schweiz angesiedelt, doch in unseren Nachbarländern Frankreich und Italien kommt sie vor. Auch in Deutschland wurde sie schon gesichtet. Erkrankte Hunde leiden unter Müdigkeit, Haarausfall und Hautausschlägen. Dabei magern sie stark ab. Im fortgeschrittenen Stadium sind zusätzlich die inneren Organe betroffen. Nicht immer sieht man den Hunden an, dass sie sich mit dem Leishmaniose-Erreger infiziert haben. Die Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen kann bis zu sieben (!) Jahre dauern. Die Krankheit ist nicht heilbar und muss ein Leben lang sehr aufwändig behandelt werden. Ohne Medikamente sterben die Hunde nach Ausbruch der Symptome meist innerhalb kurzer Zeit. Solche Hunde werden oftmals ins Tierheim abgeschoben, da die Besitzer diese Therapien und Kosten nicht einberechnet haben.  


Ich möchte trotzdem einen Tier aus dem Ausland mitnehmen:

Wenn man sich entschieden hat, einen Hund/eine Katze zu importieren, gibt es immer noch viele Dinge, auf die geachtet werden müssen:

  • Der Hund sollte spätestens 30 Tage vor Import gegen Tollwut geimpft worden sein.
  • Zudem braucht er/sie einen Mikrochip, sollte entwurmt und entfloht sein und bei Einreise über einen Flughafen eine Bewilligung des BVET (Bundesamt für Veterinärwesen) haben.
  • Wenn Ihr Tier in ein Land mit urbaner (= bei den Haustieren vorkommend) Tollwut reist oder aus solch einem Land in die Schweiz kommt, muss es nebst einer Tollwut-Impfung einen Tollwut-Titer (Bluttest) vorweisen können. Der Tollwuttiter muss zwischen dem 30. u. 120. Tag nach Impfung untersucht werden.


Reisekrankheiten beim Hund

Dirofilariose / Herzwurm 

Erreger:                  Dirofilaria immitis = leben im Blutgefässystem. Die erwach-
                               senen Würmer siedeln sich va. in der rechten Herzkammer
                               an.
Übertragung:          Stechmücken; auch vorgeburtliche Übertragung auf die
                               Welpen; Hauptinfektionszeit: Aug.-Okt.
Vorkommen:           Mittelmeer-Raum: Po-Ebene bis südliches Tessin, Toskana,
                               Frankreich, ganze USA.
Symptome:             Die Symptome entwickeln sich 5 - 7 Monate (teils Jahre)
                               nach Infektion; Ermüdung, Gewichts- und Konditionsverlust,
                               Husten, Atemprobleme bei Anstrengung, Herzrasen.
Prophylaxe:            * Medikamentöse Vorbeugung / Therapie, beginnt schon
                               während dem  Aufenthalt in der Ferien (Milbemax, Advantix).
                               Es sollten Kontrolluntersuchungen nach der Rückkehr und 7
                               Monate später gemacht werden (Blutuntersuch).

 
Leishmaniose

Erreger:                  Leishmania infantum = Parasiten, die sich zunächst unter der
                               Haut, später auch via Blut in die Organe ausbreiten.
Übertragung:          mittels Sand-Mücken, Bluttransfusion, Deckakt (Sperma),
                               auch vorgeburtlich auf die Welpen.
Vorkommen:           Mittelmeerraum bis zum 45. nördl. Breitengrad: Spanien,
                               Portugal, Italien, Frankreich, Griechenland, Nordafrika, ...
                               In der Schweiz: Malcantone, Mendrisiotto (TI).
Symptome:            Anschwellen der Lymphknoten, Haut wird trocken-schuppig
                               (Ohrränder, Nase, um die Augen), trockener Nasenspiegel,
                               Abmagerung, Fieber, Bindehautentzündung, Milzschwellung,
                               Blutarmut, vermehrter Durst, vermehrter Urinabsatz, Gelenks-
                               entzündungen.
                               Die Infektion kann Monate bis Jahre symptomlos verlaufen. 
                               Ein einmal infizierter Hund bleibt meist trotz Therapie Träger
                               der Parasiten.
Prophylaxe:          * Spezielles Antiparasiten-Halsband gegen Mücken (Scalibor-
                               Protectorband). Hund während der Dämmerungsstunden im
                               Haus halten (Hauptflugzeit der Mücken).
                            * NEU: Seit Juni 2012 ist eine Leishmaniose-Impfung möglich!
                               Dazu müssen 3 Impfungen im Abstand von jeweils 3
                               Wochen gemacht werden. Ein tragbarer Schutz baut sich
                               innerhalb von 4 Wochen nach der letzten Impfung auf.


Babesiose / Piroplasmose

Erreger:                 Babesia canis / vogeli / rossi / gibboni = Einzeller, die sich in
                              roten Blutkörperchen vermehren und diese dabei zerstören.
Übertragung:         mittels Zeckenbiss (ab dem 3./4. Tag nach Festbeißen am
                              Hund)
Vorkommen:          Spanien, Süd-Frankreich, Italien, Balkan, sogar bis Belgien /
                              Holland / Ungarn / Süd-Deutschland.
                              In der Schweiz: Watt, Wallis, Tessin, Genfersee-Gebiet,
                              vereinzelte Herde im Mittelland.
Symptome:            Hunde jeden Alters können betroffen sein.
                              Die Erkrankung kann von symptomlos bis hoch-rasant
                              verlaufen. (Hohes) Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit,
                              Gewichtsverlust, Gelbsucht, Milz- und Leberschwellung,
                              Blutungen in Haut und Schleimhäute, Augenverände-
                              rungen, Blutarmut, Blutgerinnungsstörung, seltener auch
                              Durchfall, Bronchitis, Wasserbauch, Bewegungsstörungen,
                              Epilepsie.
Prophylaxe:        * Impfung (2x im Abstand von 3-4 Wochen, jährliche Auf-
                              frischung). Die Impfung verhindert Todesfälle, jedoch nicht
                              die Erkrankung. Sie schützt zu 80%.
                           * Zecken täglich ablesen.
                           * Zeckenmittel (Advantix, Exspot, Scalibor-Halsband, ...)
                           * vorbeugende Medikamente (Imidocarb, Antibiotika): sie ver-
                              hindern die Infektion aber nicht!


Ehrlichiose

Erreger:                 Ehrlichia canis / phagozytophila = bakterienähnliche Erreger,
                              die in verschiedenen Blutzellen überleben.
Übertragung:         mittels Zeckenbiß („Holzbock“). 8 - 20 Tage nach Biß kommt
                              es zur Erkrankung.
Vorkommen:          ganzer Mittelmeer-Raum
Symptome:            Fieber, Apathie, Depression, Appetitlosigkeit, geschwollene
                              Lymphknoten, blasse Schleimhäute, Bindehautentzündung,
                              spontanes Nasenbluten (Gerinnungsstörungen), evtl. Ab-
                              magerung, Tod
Prophylaxe:        * Zecken täglich ablesen
                           * Zeckenmittel (Advantix, Exspot, Scalibor-Halsban,d usw.)
                           * Antibiotika (Tetracycline)

 
Borreliose

Erreger:                 Borrelia burgdorferi
Übertragung:         Zecken (Übertragung erfolgt 1-2 Tage nach Festbeissen); Der
                              Krankheitsausbruch kann Tage (5 - 48) bis Monate nach dem
                              Biss erfolgen.
Vorkommen:         weltweit; in der Schweiz vermehrt in gewissen Gebieten
Symptome:           wechselnde Lahmheiten, Appetitlosigkeit, Anschwellen der
                              Lymphknoten, mildes Fieber, erhöhte Schmerzempfindlichkeit
                              überall, Abgeschlagenheit.
Prophylaxe:        * Zeckenmittel (Advantix, Exspot, Scalibor-Halsband, usw.)
                           * tägliche Kontrolle auf Zecken
                           * Impfung (2x im Abstand von 4 Wochen, jährlich im Frühjahr
                              auffrischen)

 
Sinnvolle Prophylaxen im südlichen Ausland

* Hunde in den Dämmerungsstunden im Haus halten
* Parasitenmittel (Repellentien) gegen Flöhe, Zecken und Mücken
* Tier täglich auf Zecken kontrollieren
* evtl. Impfungen (Borreliose, Babesiose, Leishmaniose)
* Herzwurmprophylaxe / -therapie schon während des Aufenthalts beginnen
* Kontrolluntersuch, inkl. Blutbild, nach Rückkehr des Hundes und 6-8 Monate später



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