Notfälle und Erste Hilfe

Themenübersicht

- Die Normalwerte (P/A/T)
- Der Transport
- Mögliche Katzenfallen im Haushalt
- Atem- oder Herzstillstand
- Vergiftungen
- Insektenstiche und allergische Reaktionen
- Hitzekollaps, Hitzschlag
- Magendrehung
- Augenverletzungen
- Fremdkörper im Maul
- Hautwunden (Schürfungen, Verbrennungen, Schnitte, Stiche, Riss-/ Quetschwunden, Schusswunden)
- massive Blutungen an einer Extremität
- Wunden mit Eröffnung der Bauchhöhle
- Wunden mit Eröffnung der Brusthöhle
- schwere innere Blutungen
- Knochenbrüche (geschlossener und offener Bruch)
- Lähmungen der Nachhand
- Lähmungen einer Extremität

Die Normalwerte (P/A/T) bei Hund und Katze

a) Puls: wird am Oberschenkel (Hinterbein) innen, an der Schwanzunterseite oder an der Brustwand gemessen.
Grosse Hunderassen:         70 - 120 / min.
Mittlere Hunderassen:       80 - 150 / min.
Kleine Hunderassen:           90 - 160 / min.
Katzen:                                   120 - 150 / min.

b) Atmung: Zählen der Atemausschläge.
Hund:  10 - 30 / min.
Katze:  20 - 40 / min. (Achtung: Maulatmung und Hecheln ist abnormal!)

c) Temperatur: im After messen, wie (früher) bei den kleinen Kindern.
Hund:  38.3 - 39.0° (38.5°)
Katze:  38.5 - 39.2° (38.7°)

Der Transport

- Lagerung auf nicht-verletzter Seite (ausser bei Brustwandverletzungen mit Lungenbeteiligung)
- Tiere gut sichern: sie dürfen nirgends herunterfallen oder rutschen können
- verletzte Stellen nicht (unnötig) manipulieren
- bewusstlosen Tieren keine Flüssigkeiten oder Medikamente eingeben

Achtung: verletzte Tiere sind unberechenbar und können in Panik zubeissen oder flüchten. Bei Manipulationen an verletzten Hunden evtl. Maulschlinge anziehen (danach wieder lösen, um Hecheln zu ermöglichen). Hunde anleinen, Katzen ins Körbli setzen.

Mögliche Katzenfallen im Haushalt

  • Kippfenster: Gefahr des Einklemmens (Spalt mit zusammengelegtem Tuch sichern od. sog. Sicherheits-Spaltlüftungsfenster einbauen)
  • Balkone:Absturzgefahr (sollen mit feinmaschigen Netzen oder Gitter geschützt werden)
  • Durchzug: Türen knallen plötzlich zu u. können Katzen einklemmen
  • Küche: heisse Herdplatten, Töpfe mit heissem Inhalt, Messer. offene Konservendosen mit scharfen Kanten, mit Bratensaft getränkter Bindfaden
  • Wasser in Badewanne, WC-Schüssel, Gartenteich, Regenfass, Pool, Teich, Plastik-Plantschbecken: Gefahr des Ertrinkens
  • offenstehende Waschmaschinen, Tumbler, Geschirrspüler
  • Plastiktüten, Abfallsäcke
  • brennende Kerzen
  • elektrische Kabel: Stromschlag beim Zerbeissen
  • Zimmerpflanzen => Vergiftungen
  • selbstgebastelte Spielzeuge => Fremdkörperaufnahme

Atem- oder Herzstillstand

Die Atmung ist zuerst angestrengt. Dabei werden die Lefzen zurückgezogen, das Maul geöffnet und derHals gestreckt. Die Zunge sieht bläulich aus. Die Frequenz fällt unter 6 Atemzüge/min.

Massnahmen:

  • Atemwege frei machen: Maulweit öffnen, Zunge herausziehen, allfällige Fremd-körper / Schleim usw.entfernen.
  • Beatmung bei Atemstillstand:Mund-zu-Schnauze, bzw. Mund-zu-Nase-und-Maul (kleine Hunde und Katzen), alle 3Sec. (evtl. in Kombination mit Herzmassage s.u.). Die Einatem-dauer sollte doppelt so lange sein wie die Dauer der Ausatmung.
  • Herzmassage: Tier auf rechte Körperseite legen, 15 - 20 schnelle Brustwandkompressionen, gefolgt von 2 Beatmungen. Beim grossen Hund auf Höhedes grössten Brustkorbdurchmessers (Hände übereinander gelegt, Arme durchgestreckt), beim kleinen Hund und Katze oberhalb Ellbogengelenk (evtl. nurFinger zum Massieren)

Vergiftungen

(siehe auch www.clinitoxclinipharm.ch)

Vergiftungen sind beim Hundrelativ häufig, indem er zufällig Giftstoffe auffindet und sie frisst. Selten sind es böswillig ausgelegte Köder. Als Giftstoffe kommen Schädlingsbekämpfungsmittel, Reinigungsmittel, Medikamente, Düngemittel, giftige Pflanzen, Genussmittel (Tabak, Zigarettenstummel, Schokolade !!, Trauben/Rosinen/Weinbeeren !!!), Drogen, chemische und technische Stoffe (Farben), Nahrungsmittel usw. in Frage.

Einige häufige Substanzgruppen,die zu Vergiftungen führen:
- Metaldehyd             = Schneckengift
- Carbamate              = Schneckengift
- Cumarine                = Ratten- / Nagergift
- Chloralose               = Nagergift
- Phosphorsäureester  =Insektizid
- Aetylenglycol           = Frostschutzmittel (schmeckt süsslich!!!)
- (schwarze) Schokolade, Trauben / Weinbeeren / Rosinen !!!

Bei Katzen entstehen Vergiftungen häufiger durch Beknabbern von Zimmer- und Zierpflanzen. Sehr giftig sind dabei jene der Gattung Dieffenbacchia. Sie sind so toxisch, dass selbst das Giesswasser im Topfuntersatz der Katze stark schaden kann. Auch das Tannenwasser aus dem Christbaumständer ist giftig. Ebenso Amaryllis, Aronstab, Azalea, Buchsbaum, Butterblume, Christusdorn, Corydalis, Eukalyptus, Fingerhut, Iris, Kiefernadeln, Lorbeer, Lupinen, Mistel, Nachtschatten, Oleander, Pfingstrosen, Philodendron, Rhabarber, Rhizinus, Rhododendron, Rittersporn, Schierling, Seidelbast, Spinat, Tulpen, Weihnachtsstern und Wunderbaum. Massnahmen:Atemwege frei halten (Erbrochenes aus Maul entfernen), evtl. Schocklage bei Bewusstlosigkeit.

Die Behandlung, Aussicht auf Erfolg und evtl. bleibende Schäden sind abhängig von der eingenommenen Substanz, der Menge, der verstrichenen Zeit u.a.m. Wichtig ist eine sofortige Konsultation eines Tierarztes bei Vergiftungserscheinungen oder bei Beobachtung des Fressens von möglicherweise giftigen Substanzen.

Sehr hilfreich sind die Beantwortung folgender Fragen: Was, wieviel, wie lange ist es her, hat das Tier erbrochen, welche Symptome sind aufgetreten?

Zudem helfen natürlich die Packung, aus der die Substanz stammt und evtl. auch das  Erbrochene selber.
Steht kein Tierarzt zur Verfügung, gibt Ihnen auch das Tox-Zentrum Zürich Auskunft (Tel: 044 251 51 51)


Insektenstiche und allergische Reaktionen

Häufiger werden Hunde, seltener Katzen von Insekten gestochen. Im Frühling sind es eher die Bienen (blühende Wiesen), im Herbst Wespen (Fallobst), die Sorgen bereiten können. In den meisten Fällen sind die Stiche zwar sehr schmerzhaft, jedoch harmlos. Es können heftige Reaktionen und Schmerzäusserungen beobachtet werden und bei Stichen im Maulbereich auch vermehrtes Speicheln bzw. Erstickungsan-zeichen.
Massnahmen: Stachel entfernen, Schwellung kühlen (feuchte Tücher, Coldpack), evtl. am Lecken hindern, evtl. Antihistamine vorbeugend geben (aus Apotheke).

Einige Tiere reagieren aber allergisch auf Insektenstiche. Es lassen sich dann Nesselfieber (Quaddeln derHaut an ganzen Körper) und auch Anschwellen des Kopfes (Nilpferdkopf) beobachten. Auch ein starker Juckreiz am ganzen Körper kann auftreten und die Tiere werden oft apathisch und legen sich hin.

Der Zustand ist zwar meist nicht lebensgefährlich, aber doch äusserst unangenehm. Der Tierarzt kann die Zeit bis zum Abklingen mit einer Injektion deutlich abkürzen. Zudem werden dadurch auch Verletzungen der Haut durch exzessives Lecken und Nagen verhindert. Bei bekanntermassen, allergischen Tieren kann der Besitzer die Behandlung auch mit Tabletten oder Sirup selber durchführen.

Selten gibt es Tiere, die mit einem allergischen Asthmaanfall oder sogar einem Kreislaufschock reagieren. Dabei entsteht eine rasch zunehmende Atemnot und Schwäche.
Massnahmen: Dies ist eine Notsituation, die sofort behandelt werden muss! Besitzern mit solchen Tieren werden u.U. für Notfallsituationen Tabletten oder sogar Spritzen mit nach Hausegegeben.


Hitzekollaps / Hitzschlag

Hund und Katze können nicht schwitzen und sind daher auf Hitze empfindlich. Sie erleiden daher schneller als wir Menschen einen Hitzekollaps, gefolgt von einem Hitzschlag. Dabei zeigen sie Hecheln, Nervosität, Fieber, Taumeln, rasenderPuls, Atemnot, evtl. Bewusstlosigkeit.
Massnahmen: sofort an die Kühle bringen, Wasser zum Trinken anbieten, Körper (mit Wasser) kühlen und dabei an den Beinen beginnen (z.B. Hund ins Wasserbecken stellen), Luft zufächern.
Achtung: Nasse Tücher senken die Temperatur nicht genug schnell, sondern stauen zusätzlich die Wärme.

Magendrehung

Meist entsteht eine Magendrehung innert 1 - 2 Std. nach Fütterung. Begünstigende Faktoren sind dabei tiefbrüstige Tiere und Bewegung (Spiel, Herumtollen /-rennen) nach dem Fressen und Gabe von gärendem Futter. Der Magen ist sehr schlecht fixiert im Bauchraum und kann sich um die eigene Achse drehen. Dabei wird Magenein- und -ausgang abgeschnürt, im Magen bilden sich vom Futter Gase, und er droht zu platzen. Der Hund zeigt dabei Unruhe, Würgen, Erbrechversuche, aufgeblähter Bauch, schwere Atmung mit Hecheln und Speicheln.
Achtung: dies ist ein absoluter Notfall !! Am besten gleich in eine Klinik fahren, damit eine Notoperation durchgeführt werden kann!

Augenverletzungen

Augenverletzungen, z.B. durch Äste, Bisse, Fremdkörper, sind immer Notfälle! Massnahmen: Auge mit kaltem, klaren Wasser waschen ohne zu reiben. Steckende Fremdkörper belassen. Einen wassergetränkten Wattebausch oder Stück Mullbinde auf das Auge legen, um es feucht zu halten, und mit lockerer Binde befestigen. Danach sofort zum Tierarzt!

Fremdkörper im Maul

Das Tier versucht mit der Pfote, den Fremdkörper zu entfernen. Z.T. speichelt es, hechelt od. ringt nach Luft.
Massnahmen: Maul öffnen (evtl. mithilfe von 2 Schlaufen) und Fremdkörper lokalisieren und entfernen.
Tipp: tief im Rachen sitzende Spielbälle lassen sich mit einem Korkenzieher entfernen, bzw. könnten evtl. mit einem Staubsauger abgesaugt werden.

Hautwunden

a) Schürfwunden
Oberflächliche Wunden können mit warmem Wasser und z.B. Kamillosan oder Betadine gereinigt werden. Zum Schutz vor Belecken empfiehlt es sich, einen leichten, aber gut gepolsterten, Verband, der nicht auf der Wunde klebt, anzulegen. Grosse oder tiefe Wunden bis auf die Muskulatur / Sehnen / Knochen sollten unbedingt dem Tierarzt gezeigt werden.

b) Verbrennungen
Sie entstehen durch Wärmequellen (Herd, Feuer, ..), Chemikalien oder Strom. Massnahmen: Stelle mind. 10 - 15 Min. unter fliesendes, kaltes Wasser halten (od. in kaltes Wasser eintauchen), danach Eisbeutel od. Cold-Pack auflegen (Tuch dazwischen). Offene Wunden nicht abdecken, da sie mit dem Stoff verkleben.

c) Stichwunden
Sie entstehen oft an Pfoten oder Beinen und sehen nicht sehr spektakulär aus. Das Tier zeigt Schmerzen und Lahmheiten. Durch die Verunreinigung oder steckenden Fremdkörpern (Holzstück, Glasscherben, Dorn, usw.) entzündet sich die Wunde und eitert relativ rasch. Daher sollte sie möglichst bald von einem Tierarzt behandelt werden.

d) Schnittwunden
Schnittwunden sind meist relativ saubere Durchtrennungen der Haut. Sind sie länger als 2 cm, sollten sie genäht werden, v.a. wenn die Wundränder aufklaffen. An den Ballen sollten Wunden ab 1 cm schon genäht werden, da diese sehr behindern durch die Belastung schlechter heilen. Sollte ein Wundverschluss nötig sein, so lassen sie den Schnitt unbehandelt (Druckverband, wenn es stark blutet) und stellen das Tier möglichst bald einem Tierarzt vor. Kann die Wunde innert 4 Std. nach Entstehung genäht werden, heilt sie am komplikationslosesten ab.

d) Riss- und Quetschwunden
Als häufigstes Beispiel sind hier die Bisswunden zu erwähnen. Die Haut zeigt oft relativ kleine Wundlöchervon den Eckzähnen des anderen Tieres, die Unterhaut ist aber durch Schüttel-und Reissbewegungen stark mitgeschädigt. Da die Zähne und Maulhöhle eines Tieres nie steril ist, muss auch mit einer relativ rasch einsetzenden Infektion gerechnet werden. Solche Wunden müssen unter Abklärung allfällig unter der Haut mitgeschädigten Strukturen (Muskeln, Sehnen, Bauch- / Brustwand) teilweise aufwändig chirurgisch versorgt werden.

e) Schusswunden
Besteht der Verdacht, dass ein Tier angeschossen wurde, braucht es immer eine gründliche Abklärung bei einemTierarzt. Meistens betreffen die Schusswunden nicht nur die Haut, sondern auch tiefer liegende Strukturen (Muskeln, Knochen, innere Organe). Daher kann es auch zu inneren Blutungen kommen und somit zu akuter Lebensgefahr.

Massive Blutung an einer Extremiät

Bei tiefen Riss- oderSchnittwunden an Beinen, Schwanz, Ohren oder Kopf kann es zu starken Blutungenkommen. Sind Arterien betroffen, tritt hellrotes Blut stossweise aus.
Massnahmen: Bis zu Behandlung durch einen Tierarzt, sollte versucht werden, einen Druckverband anzulegen. Dazu wird ein Verband mehrere Male über die Wunde gewickelt und, wenn möglich, einen härteren Gegenstand (z.B. Handy) in Wundgrösse auf die Stelle der Wunde miteingewickelt.
An Schwanz und Beinen kann die Wunde auch herzwärts, maximal für 10 - 20 Minuten, abgebunden werden. Bei Wunden an Ohren und Schwanzende, die durch die stete Bewegung die ganze Umgebung verspritzen, kann versucht werden, mit einem Klebeband die Wunde zu verbinden.
Notfalls kann mit den Fingern, der Hand oder der Faust das zuführende Gefäss abgedrückt werden.
Einen endgültigen Wundverschluss ist meist nur durch den Tierarzt möglich. Es ist nicht nötig, die Wunde vorgängig zu reinigen oder desinfizieren.

Wunden mit Eröffnung der Bauchhöhle

Bauchhöhlenwunden entstehen meist aus Beissereien, Autounfällen, Verletzungen mit spitzen Gegenständen oder durch Schüsse. Es können dabei Bauchorgane direkt getroffen werden, bzw. eine starke Bauchfellentzündung entstehen. Der Tierarzt wird mittels Sonde u. U.auch Röntgen abklären, wie tief die Wunde reicht und ob Organschänden vorhanden sind. Im besten Fall ist eine vorbeugende antibiotische Behandlung nötig, im schlimmsten Fall eine sofortige Operation. Auf jeden Fall sollten auch kleine Wunden mit der nötigen Aufmerksamkeit behandelt werden.

Wunden mit Eröffnung der Brusthöhle

Betreffen Beissereien, Autounfälle, Verletzungen mit spitzen Gegenständen oder Schüsse den Brustbereich, so ist dies ein absoluter Notfall. Der Allgemeinzustand ist in der Regel sehr schnell sehr schlecht, weil durch Lufteintritt in den Brustraum die Lunge auf der verletzten Seite zusammenfällt. Dies resultiert in einer deutlichen Atemnot. Auch kann aus der Wunde schaumiges, mit Luft vermischtes Blut austreten, wenn die Lunge verletzt wurde. Luftansammlungen unter der Haut deuten auf Verletzungen der Atemwege hin.
Massnahmen: Zum Transport sollte man dieWunde mit einem sauberen Tuch abdecken, ohne zu waschen oder desinfizieren. Die Lagerung erfolgt möglichst auf der verletzten Seite (dh. gesunde Seite oben).

Schwere innere Blutungen

Nach einem massiven Aufprall (Autounfall, Sturz aus grosser Höhe) entstehen im Brust- u./od. Bauchraum Quetschungen, Risse oder Abreissungen von Organen. Diese führen zu einer massiven Blutung in die Körperhöhle, ohne äusserlich sichtbaren Blutaustritt. Nur bei der Lungenblutung kann Blut aus Mund und Nase austreten. Plötzlich blutende Tumoren können zu den gleichen Problemen führen. Die Tiere zeigen sehr rasch Schocksymptome: Apathie, wackelig auf den Beinen, haben blasse Schleimhäute, atmen rasch und schwer.
So schwer verletzte Tiere sollten möglichst sofort notoperiert werden, um die Blutung zum Stillstand zubringen. Leider kommt aber die Hilfe trotzdem in vielen Fällen zu spät, da der Blutverlust zu rasant ist.

Knochenbrüche

Die meisten Brüche entstehen an den langen Gliedmassen im Bereich der sog. Röhrenknochen. Es können aber auch Zehen, Rippen, Wirbel, Kiefer und Schädel betroffen sein. Im ersten Fall sind die Frakturen gut erkennbar durch Schmerz, Verkrümmungen und Lahmheit. Im zweiten Fall sind sie u.U. nur im Röntgen sichtbar und das Tier zeigt unspezifisch verändertes Allgemeinbefinden.
Es wird zwischen einem geschlossenen Bruch, bei dem keine Verletzung der Haut vorhanden ist und einem offenen unterschieden.

Massnahmen: Bei einem Bruch einer Extremität, sollte das Tier möglichst ruhig gehalten werden, damit keine weiteren Schäden entstehen. Mit einem Verband und einer Schiene (z.B.Holzlatte, Massstab usw.) kann man den Bruch fixieren. Das Bein sollte möglichst in gestrecktem Zustand eingebunden und gut gepolstert werden.

Die gebrochenen Knochen können konservativ (mittels "Gips" aus Kunststoff) oder operativ (AO = artificialosteosynthesis: Marknagelung, Schrauben, Knochenplatten, Cerclage usw.) behandelt werden. Je schwerer das Tier und je weiter oben am Bein der Bruch (bzw. bei Frakturen von Kiefer, Wirbelsäule, Becken und Pfoten), desto eher ist eine Operation angeraten. Die AO erlaubt eine bessere Stabilisierung und damit eine einfachere Heilung und frühere Belastung der Fraktur. Die Implantate können in vielen Fällen belassen werden.

Offener Bruch eines Röhrenknochens
Ein offener Bruch entsteht, wenn die Haut mitverletzt wurde. Dies geschieht meist durch ein spitzes Knochenfragment, das die Haut von innen durchsticht. Es kann aber auch von aussen durch den verletzenden Gegenstand entstehen.
Die Hautverletzung stellt eine deutliche Komplikation für die Behandlung und den Heilverlauf dar. Sie verursacht eine Verschmutzung und somit Infektion des Frakturgebiets, was zur Heilungsstörung und auch systemischen Erkrankung des Patienten führen kann.

Massnahmen: Tiere mit offenen Brüchen sind Notfälle!! Das gebrochene Bein sollte möglichst ruhig gestellt werden, damit die Knochenfragmente nicht zu weiteren Weichteilverletzungen führen. Bitte keine Reinigung oder Desinfektion vornehmen! Die Erstversorgung des Patienten dient der Infektionsvermeidung. Die Wunde wird mit schonenden Desinfektionsmitteln gereinigt und dekontaminiert. Zusätzlich wird ein schnellwirkendes und auch im Knochen wirksames Antibiotikum eingesetzt.

Je nach Zustand der Weichteile, Frakturart und Infektionsfortschritt wird sofort eine Fixation vorgenommen oder bis zur Sanierung des Bruchgebiets zugewartet. Als Operationsmöglichkeiten kommen Implantation von Metallteilen (Platten, Marknägel usw.) infrage. Bei stark infizierten Frakturen kann auch ein sog. Fixateur externe eingesetzt werden. So wird der Bruch in der korrekten Position gehalten und die Pflege der Wunde ist gutmöglich.

Die modernen Methoden erlaubenes uns heute, auch auf den ersten Blick hoffnungslos aussehende Fälle behandeln und heilen zu können. Man sollte sich daher nie ohne fachmännische Beratung zu einer Euthanasie (Tötung) eines Unfalltieres entschliessen.

Lähmung der Nachhand

Lähmungen der Hinterbeine, total oder teilweise, können nach Unfällen oder auch ohne erkennbare äussere Einwirkungen entstehen. Meistens sind Probleme der Rückenmarksnerven vorhanden. Bei einem Unfall kann es sich um Prellungen, Quetschungen oder auch Durchtrennungen handeln. Bei nicht-unfallbedingten Lähmungen könnte ein Bandscheibenvorfall (Dackellähme), Entzündungen des Rückenmarks (Meningitis) oder auch selten ein Tumor verantwortlich sein. Bei Katzen sind solche Probleme meist durch Unfälle (Auto, Tritte, Kippfenster) verursacht. Neben der Lähmung der Beine können zusätzliche Probleme wie Störungen beim Urin- und Kotabsatz, Schmerzunempfindlichkeit oder Verlust der gesamten Sensibilität der Nachhand vorkommen.
Auch Tiere mit akuter Herzschwäche oder anderen akuten Erkrankungen der Hinterhand können ähnlicheSymptome zeigen.

Massnahmen: Bis zur Beweis des Gegenteils ist immer von einer Rückenmarks-verletzung auszugehen. Beim Transport solcher Tiere soll möglichst wenig Bewegung in die Wirbelsäule kommen. Anheben und Herumtragen sollte man sie am besten mit einer stabilen Unterlage (Brett o.ä.).
Bei Verdacht auf eine Rückenmarksverletzung muss schnell gehandelt werden. Kann innerhalb von 12 - 24Std. operiert werden, ist die Prognose deutlich besser als wenn es später geschieht.
Hunde mit einem Bandscheibenvorfall, der nur wenig Lähmungserscheinungen macht, können u.U. nur mit Medikamenten behandelt werden.

Lähmung einzelner Extremitäten

Meistens sind sie Folgen eines Schlages oder anderer Gewalteinwirkung. Die Lähmung ist dabei schlaff und die Gliedmasse/ der Schwanz kann nicht mehr bewegt werden. Ist das Gebiet nicht infiziert, bzw. der Nerv nicht durchtrennt, kann eine langsame Heilung (bis zu ½ Jahr!!) möglich sein. Ein Problem dabei sind aber weitere Schädigungen wegen des Nachziehens / Mitschleppens des Beines, bzw. Verunreinigung des Schwanzes.
Selten einmal kann eine Lähmung durch einen raumfordernden Prozess, z.B. Tumore entstehen.