über die Hündin

Erste Läufigkeit

Sie tritt ein, wenn der Hund sein Erwachsenen-Gewicht erreicht hat. Kleine Hunde haben ihr Wachstum früher abgeschlossen. Durchschnittlich werden Hündinnen im Alter von 7 Monaten erstmals läufig. Individuell schwankt es aber zwischen dem 4. und 12. Monat!


Sexualzyklus

Normalerweise wird eine Hündin 2x jährlich läufig, dh. alle 6 Monate. Die Intervalle können aber individuell auch etwas kürzer oder länger sein. Mit zunehmendem Alter, verlängert sich das Intervall eher etwas und bei einigen Hündinnen tritt die Läufigkeit nur noch 1x jährlich auf. Eine "Menopause" erfolgt nicht.

Beim Hund kennt man 4 Phasen: Proöstrus (vor der Läufigkeit), Östrus (Läufigkeit), Metöstrus (nach der Läufigkeit), Anöstrus (keine Läufigkeit).
 
Der Proöstrus dauert 3 - 17 Tage (ø 9 Tage). Am ersten Tag (= 1. Läufigkeitstag)  schwillt die Scheide an und Blutstropfen werden sichtbar. Während dieser Zeit wird die Hündin für Rüden immer interessanter. Sie lsst sich aber noch nicht decken.

Der Östrus beginnt mit der Deckbereitschaft der Hündin und dauert 3 (bis maximal 21) Tage (tritt meist um den 10. Tag herum ein). Die Scheide ist weniger geschwollen und der Ausflss blutig-wässrig und weniger.

Der Metöstrus setzt ein, wenn die Hündin keine Deckbereitschaft mehr zeigt. In dieser Zeit bilden sich die Geschlechtsorgane zurück und werden inaktiv (ausg. bei Trächtigkeit). Dies dauert ca. 2 Monate.

Im Anöstrus ist keine sexuelle Aktivität mehr sichtbar. Er endet mit dem Einsetzen des Proöstrus und dauert durchschnittlich 4 ½ Monate.

 
Trächtigkeit

Die Trächtigkeit dauert ca. 63 Tage, gezählt ab dem Tag der Paarung. Auch sie unterliegt individuellen Schwankungen und kann schon mal nur 56 Tage (Frühgeburt) oder 72 Tage (Übertragung) dauern. Um eine Trächtigkeit festzustellen, kann nach 4 Wochen der Bauch abgetastet, nach 6 Wochen geröntgt und nach 55 Tagen die Herztöne abgehört werden. Nur mittels Ultraschall ist eine frühere (21-24 Tage) Diagnose möglich.

 
Geburt

Sie geschieht in 2 Phasen. Während der Öffnungsphase (dauert ca. 12 Stunden) erschlafft allmählich der Muttermund und die Wehen setzen ein. Die Hündin ist dabei unruhig, hechelt, sucht ein Wurflager und dreht sich im Kreis. Sobald der erste (hinterste) Welpe den Muttermund erreicht, beginnt die Austreibungsphase. Die Wehen werden stärker und durch die Bauchmuskulatur unterstützt. Vom Abgang des ersten Fruchtwassers bis zur Geburt des ersten Welpen dauert es ca. 10 (selten bis zu 60) Minuten. Danach löst sich sein Mutterkuchen. Mehrere Welpen werden danach meist im Abstand von 15 Minuten geboren. Darauf kann eine Pause bis zu 4 Stunden erfolgen, bevor die restlichen geboren werden. Insgesamt dauert der Geburtsvorgang ca. 12 Stunden.

 
Kastration

Die Kastration ist eine Operationsmethode zur sexuellen Ruhigstellung der Hündin. Dabei werden die Eierstöcke und evtl. auch die Gebärmutter entfernt.

Die Frühkastration erfolgt vor der ersten Läufigkeit (dh. i.d.R. mit ca. 7 Monaten). In der Regel kann dabei die Gebärmutter im Tier belassen werden, dh. es ergibt sich eine kleinere Operationswunde. Dieser Kastrationszeitpunkt hat den Vorteil, dass das Risiko zu Fellveränderungen, Harninkontinenz und Gesäuge-Krebs deutlich gesenkt, bzw. verhindert wird. Die Tiere wachsen auch etwas länger und können dadurch leicht größer werden. Zudem scheinen die Hündinnen verspielter zu bleiben, was u.U. eine Ausbildung erschweren kann.

Die Spätkastration erfolgt nach der ersten Läufigkeit (ca. 2-3 Monate nach Beendigung). Der Vorteil dabei ist, daß die Hündin körperlich und geistig erwachsener ist und ein normales Ablaufen der Läufigkeit beobachtet werden kann. Nachteilig ist natürlich die Gefahr einer Fehlbedeckung durch einen Rüden. Das Gesäuge-Krebs-Risiko ist auch nach Kastration nach der 1. Läufigkeit vermindert (jedoch nicht so stark wie vor der 1. Läufigkeit), bei Kastration nach der 2. Läufigkeit entspricht es jenem der unkastrierten Hündin.

Achtung: Die Kastration sollte in der Phase der sexuellen Ruhe erfolgen, dh. ca. 2-3 Monate nach Abschluss der Läufigkeit, bzw. vor der ersten Läufigkeit (mit ca. 7 Monaten)

Mögliche Nebenwirkungen der Kastration:

  • längere Lebensdauer (um rund 1 Jahr!)
  • Vermehrter Appetit und Gewichtszunahme
  • übermäßiges Wachstum des Wollhaares (= "Babyfell") u. evtl. weniger intensive Haarfarbe bei langhaarigen Hunden mit seidigem Deckhaar (Cocker Spaniel, Collies, Irish Setter, Langhaardackel, Golden Retriever, Flatcoated Retriever, Neufundländer, Landseer, Eurasier)
  • Harnträufeln: tritt meist erst mehrere Jahre nach Kastration und eher bei Hündinnen, die schwerer als 20kg sind, auf (oft beim Boxer!)
  • 2x erhöhtes Risiko für Kreuzbandrisse
  • erhöhtes Riskiko für Perianaldrüsentumoren
  • beim Rottweiler: 2-3x erhöhtes Risiko für Knochenkrebs (Osteosarkom), va. bei Frühkastration
  • beim Boxer: 1.5x erhöhtes Risiko von Hüftgelenksdysplasie (bei Kastration im Alter < 6 Monate)
  • 3x höheres Risiko für Herztumoren (nur bei folgenden Rassen: Saluki, franz. Bulldogge, irischer Wasserspaniel, Flat coated Retr., Golden Retr., Boxer, Afghane, engl. Setter, Schotten- u. Boston Terrier, Dt. Schäferhund)
  • Schotten-Terrier: 4x höheres Risiko für Blasentumoren (Übergangsepithelkarzinome)
  • leicht erhöhtes Risiko für Milztumoren (Hämangiosarkom)
  • noch unklar: Die Abnahme der kognitiven Fähigkeiten scheint im Alter leicht schneller voran zu schreiten (dafür aber leben kastrierte Hunde länger!)



Läufigkeitsspritze

Die Läufigkeitsspritze eignet sich für Hündinnen, deren Besitzer/in wegen Fellveränderungen und anderen Gründen eine Kastration ablehnen. Die erste Injektion sollte im Anöstrus (s.o.), dh. frühestens 3 Monate nach und spätestens 1 Monat vor einer Läufigkeit appliziert werden. Trächtig gewesene Hündinnen sollten nicht vor dem 60. Tag nach dem Werfen behandelt werden. Je nach Präparat müssen die Injektionen alle 5 - 6 Monate aufgefrischt werden. Vereinzelt kann es zu einer Läufigkeit nach 3 - 4 Monaten kommen. In diesem Falle wird das Dosisintervall verkürzt oder evtl. versucht, das Präparat zu wechseln.

Mögliche Nebenwirkungen einer Behandlung:

  • Gebärmutterveränderungen: Zysten, Vereiterungen, Tumoren
  • Gesäugetumoren (meist gutartig)
  • Zuckerkrankheit  (Dabetes)
  • Knochenmarksrückbildung
  • Es ist möglich, daß am Ort der Injektion das Fell ausfällt und sich die Haut dunkel pigmentiert


Den natürlichen Zyklus beibehalten

Wie oben beschrieben, ist eine Hündin etwa 2x jährlich während 3 Wochen läufig. Diese wiederkehrenden hormonellen Schwankungen können zu folgenden Problemen führen:

  • Gefahr der Fehldeckung
  • Eierstockserkrankungen, wie zB. Zysten
  • Gebärmuttererkrankungen: Schleimhautveränderungen (Knoten, Zysten), Vereiterungen (bei 25% der Hündinnen), Tumoren
  • Gesäugeerkrankungen: Tumoren (eher bösartig)
  • Scheidenvergrösserungen



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