Impfen von Hunden

Die Impfung beim Hund: Was ist neu, was bleibt?      

Die bisherigen Impfstoffe waren immer ein Mix aus verschiedenen, abgeschwächten Viren ("Kombi-Impfung").

Darin enthalten waren Antigene gegen:

- Staupe (Carré'sche Krankheit, Canine Distemper)      
- Parvovirose (blutiger Hundedurchfall)      
- Adenoviren 1 + 2 (Leberentzündung, viraler Zwingerhusten)      
- Parainfluenza (viraler Zwingerhusten)      
- Leptospirose (Niereninfektion; kann auf Menschen übertragen werden!).
Zusätzlich konnte man noch intranasal (als Nasentropfen) gegen den bakteriellen Zwingerhusten (Bordetellose) impfen.  

Gemäss neuesten Untersuchungen, ist der Impfschutz aber nicht bei allen Komponenten nach 1 Jahr vorbei. Bei der Staupe, Parvovirose und Adenoviren hält er mindestens 3 Jahre an, wenn die Grundimmunisierung korrekt erfolgt ist. Alle anderen (Leptospiren, Parainfluenza, Bordetella) schützen aber nur knapp 1 Jahr lang.  
Es ist nun den Impfstoff-Herstellern gelungen, Einzelkomponenten zu produzieren, so dass dem vieldiskutierten Überimpfen entgegengewirkt werden kann. Gleichzeitig kann das Impfen sehr individualisiert werden und z.B. die intranasle Zwingerhusten- impfung 1 Woche bevor der Hund ins Tierheim oder an einen Hundekurs geht, appliziert werden, damit das Risiko der Infektion möglichst gering ist. Zudem sind die (geringen) Nebenwirkungen nochmals reduziert worden.  

Aus oben Gesagtem ergibt sich daher (neu) folgendes Impfschema:  

(8-) 9 Wochen: alle Komponenten
(12-) 13 Wochen: alle Komponenten
(16-) 17 Wochen: alle Komponenten (fakultativ, aber wärmstens empfohlen)
1 Jahr: alle Komponenten
2 Jahre: Leptospiren + Zwingerhusten
3 Jahre: Leptospiren + Zwingerhusten
4 Jahre: alle Komponenten
usw.

Natürlich steht es jedem Besitzer frei, das bisherige Impfregime beizubehalten und jedes Jahr die "grosse Kombi"-Impfung machen zu lassen.  

Bei Hunden, die ins Ausland reisen, muss die Tollwutimpfung ab einem Alter von 3 Monaten spätestens 21 Tage vor Grenzübertritt gemacht worden sein. Bei Tieren, die regelmässig über die Grenze fahren, muss dann alle 3 Jahre (innerhalb vor Ablauf der eingetragenen Frist) aufgefrischt werden.

Die einzelnen, impfbaren Krankheiten beim Hund

Parvovirose, Hundeseuche

Erreger:                Parvovirus, hochgradig ansteckend
Übertragung:        Kot infizierter Hunde; Das Virus kann jahrelang in der Umwelt überleben und ist sehr widerstandsfähig gegen Desinfektions-
                             mittel! Die Viren können z.B. auch mit Schmutz an den Schu-
                             hen der Besitzer in den Haushalt gebracht
                             werden. Es braucht 7-14 Tg. bis zum Ausbruch der Krankheit.
Symptome:           Betroffen sind va. Hunde im Alter von 6 Wochen bis 6 Monaten.
                             Oftmals sind keine klinischen Anzeichen vorhanden. Ansonsten
                             äußert es sich in Erbrechen und (blutigem) Durchfall. Es kann
                             aber auch zu einer Herzmuskelentzündung mit tödlichem Aus-
                             gang kommen.
Therapie:              Nur unterstützend möglich mit Infusionen (Ersetzen der
                             Flüssigkeitsverluste) und Antibiotika.


Staupe

Erreger:               Das Staupevirus ist mit dem menschlichen Masernvirus ver-
                             wandt (Paramyxovirus). Sie ist aber für den Menschen nicht
                             ansteckend!
Übertragung:        Durch Tröpfcheninfektion (z.B. Niesen, Husten) und gegen-
                             seitiges Belecken. Ausbruch der Krankheit erfolgt 3-6 Tg.
                             nach Ansteckung.
Symptome:           Betroffen sind v.a. ungeimpfte Junghunde im Alter von 3-6
                             Monaten. Die Krankheit äußert sich in Fieber, Augenausfluss,
                             Husten, Schnupfen, evtl. Lungenentzündung, Durchfall, Er-
                             brechen, Appetitmangel. Durch Entstehung einer Gehirn-
                             entzündung kann es aber auch zu Krämpfen, Epilepsie-An-
                             fällen, schwankender Gang kommen.
Therapie:             Die Krankheit ist nicht heilbar und bis zu 50% der Tiere ster-
                             ben. Spätfolgen sind irreparable Schäden am Nervensystem
                             und auch an den Zähnen (Staupegebiß).


Zwingerhusten

Erreger:                 Verschiedene Viren sind für Zwingerhusten verantwortlich
                              (Parainfluenza-, Adeno-,  Reo-, Herpes-, humanes Influenza-
                              virus). Nach der Virusinfektion setzen sich oft verschiedene
                              Bakterien zusätzlich im vorgeschädigten Gewebe fest. Einzig
                              Bordetella bronchiseptica kann als Bakterium selber Husten 
                              auslösen.
Übertragung:         Durch feinste Tröpfcheninfektion (Ausatmungsluft, Husten).
                              Die Infektion ist hochansteckend. Symptome treten 2-30 Tg.
                              nach Ansteckung auf.
Symptome:            Leichter bis starker, trocken-bellender Husten, teils bis zum
                              Erbrechen, Schnupfen, Angina. Auch fieberhafte Lungenent-
                              zündungen können vorkommen.
Therapie:               Der Husten muß von selbst ausheilen, da noch keine Medika-
                              mente direkt gegen das Virus wirken. Der Tierarzt kann nur
                              die Symptome lindern (Hustenreiz mildern, Fieber senken,
                              Antibiotika wenn nötig).


Ansteckende Leberentzündung (HCC)

Erreger:                  Das Virus ist in der Umwelt mässig widerstandsfähig.
Übertragung:          Bei direktem Kontakt oder indirekt über Kot oder Urin. Viele
                               infizierte Tiere sind nicht krank, scheiden aber das Virus aus;
                               Krankheitsausbruch 2-5 Tg. nach Ansteckung.
Symptome:             Leberentzündung (Leberschwellung, Erbrechen, Durchfall,
                               fetthaltiger Kot), Angina, Fieber, Blutungen in die Unterhaut
                               (rote Flecken), Lungenentzündung.
Therapie:                Nur Symptomenbekämpfung möglich

 
Leptospirose, Stuttgarter Hundeseuche

Erreger:                 Bakterien (Leptospiren)
Übertragung:         Urin von infizierten Hunden, Ratten und Mäusen. Gefährlich
                              sind dabei stehende Tümpel und Pfützen bei warmen Tem-
                              peraturen.
Symptome:            oft ohne klinische Anzeichen oder aber mit massiven Lungen-
                              und Nieren-erkrankungen.
                              Anfangs Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen (Magenentzün-
                              dung), Durchfall. Später Gelbsucht, vermehrtes Trinken,
                              Muskelschmerzen, häufiges Urinieren.
                              Wenn der Hund nicht schon bei der akuten Erkrankung stirbt
                              (bis zu 60%), können Spätfolgen chronische Leber-
                              und Nierenschwäche sein.
Therapie:              Antibiotika; unterstützene Therapie (Dialyse, Sauerstoffkäfig)
                              je nach Symptomen und Organbeteiligung.

 
Tollwut

Erreger:                 Rhabdo-Virus
Übertragung:         Durch Biss (Speichel) kranker Tiere (Fuchs spielt wichtige
                              Rolle). Die Krankheit ist auch für Menschen ansteckend!!
Symptome:            Das Virus verursacht eine Gehirnentzündung. Diese äussert
                              sich zunächst in auffälliger Zahmheit, bzw. deutlicher
                              Wesensänderungen (Wildtiere), später in starken Aggres-
                              sionen und Rasereien.
                              Als letztes Stadium sieht man meist Lähmungen (Kiefer,
                              Schlucken, Beine).
Therapie:               Keine (da Übertragbar auf Menschen), sondern Einschläfern
                              des Tieres!

Copyright © Alexandra Dittus