Die bisherigen Impfstoffe waren immer ein Mix aus verschiedenen, abgeschwächten Viren ("Kombi-Impfung").
Darin enthalten waren Antigene gegen:
- Staupe (Carré'sche Krankheit, Canine Distemper) - Parvovirose (blutiger Hundedurchfall) - Adenoviren 1 + 2 (Leberentzündung, viraler Zwingerhusten) - Parainfluenza (viraler Zwingerhusten) - Leptospirose (Niereninfektion; kann auf Menschen übertragen werden!). Zusätzlich konnte man noch intranasal (als Nasentropfen) gegen den bakteriellen Zwingerhusten (Bordetellose) impfen.
Gemäss neuesten Untersuchungen, ist der Impfschutz aber nicht bei allen Komponenten nach 1 Jahr vorbei. Nur bei der Staupe, Parvovirose und Adenoviren hält er mindestens 3 Jahre an, wenn die Grundimmunisierung korrekt erfolgt ist. Alle anderen (Leptospiren, Parainfluenza, Bordetella) schützen aber nur knapp 1 Jahr lang. Es ist nun den Impfstoff-Herstellern gelungen, Einzelkomponenten zu produzieren, so dass dem vieldiskutierten Überimpfen entgegengewirkt werden kann. Gleichzeitig kann das Impfen sehr individualisiert werden und z.B. die intranasle Zwingerhusten- impfung 1 Woche bevor der Hund ins Tierheim oder an einen Hundekurs geht, appliziert werden, damit das Risiko der Infektion möglichst gering ist. Zudem sind die (geringen) Nebenwirkungen nochmals reduziert worden.
Aus oben Gesagtem ergibt sich daher (neu) folgendes Impfschema:
9 Wochen: alle Komponenten 13 Wochen: alle Komponenten 1 Jahr: alle Komponenten 2 Jahre: Leptospiren + Zwingerhusten 3 Jahre: Leptospiren + Zwingerhusten 4 Jahre: alle Komponenten usw.
Natürlich steht es jedem Besitzer frei, das bisherige Impfregime beizubehalten und jedes Jahr die "Kombi"-Impfung machen zu lassen.
Bei Hunden, die ins Ausland reisen, muss die Tollwutimpfung ab einem Alter von 3 Monaten spätestens 30 Tage vor Grenzübertritt gemacht worden sein. Bei Tieren, die regelmässig über die Grenze fahren, muss dann jährlich (innerhalb vor Ablauf der Jahresfrist) aufgefrischt werden.
Parvovirose, Hundeseuche
Erreger: Parvovirus, hochgradig ansteckend Übertragung: Kot infizierter Hunde; Das Virus kann jahrelang in der Umwelt überleben und ist sehr widerstandsfähig gegen Desinfektions- mittel! Die Viren können z.B. auch mit Schmutz an den Schu- hen der Besitzer in den Haushalt gebracht werden. Es braucht 7-14 Tg. bis zum Ausbruch der Krankheit. Symptome: Betroffen sind va. Hunde im Alter von 6 Wochen bis 6 Monate. Oftmals sind keine klinischen Anzeichen vorhanden. Ansonsten äußert es sich in Erbrechen und (blutigem) Durchfall. Es kann aber auch zu einer Herzmuskelentzündung mit tödlichem Aus- gang kommen. Therapie: Nur unterstützend möglich mit Infusionen (Ersetzen der Flüssigkeitsverluste) und Antibiotika.
Staupe
Erreger: Das Staupevirus ist mit dem menschlichen Masernvirus ver- wandt (Paramyxovirus). Sie ist aber für den Menschen nicht ansteckend! Übertragung: Durch Tröpfcheninfektion (z.B. Niesen, Husten) und gegen- seitiges Belecken. Ausbruch der Krankheit erfolgt 3-6 Tg. nach Ansteckung. Symptome: Betroffen sind v.a. ungeimpfte Junghunde im Alter von 3-6 Monaten. Die Krankheit äußert sich in Fieber, Augenausfluß, Husten, Schnupfen, evtl. Lungenentzündung, Durchfall, Er- brechen, Appetitmangel. Durch Entstehung einer Gehirn- entzündung kann es aber auch zu Krämpfen, Epilepsie-An- fällen, schwankender Gang kommen. Therapie: Die Krankheit ist nicht heilbar und bis zu 50% der Tiere ster- ben. Spätfolgen sind irreparable Schäden am Nervensystem und auch an den Zähnen (Staupegebiß).
Zwingerhusten
Erreger: Verschiedene Viren sind für Zwingerhusten verantwortlich (Parainfluenza-, Adeno-, Reo-, Herpes-, humanes Influenza- virus). Nach der Virusinfektion setzen sich oft verschiedene Bakterien zusätzlich im vorgeschädigten Gewebe fest. Einzig Bordetella bronchiseptica kann als Bakterium selber Husten auslösen. Übertragung: Durch feinste Tröpfcheninfektion (Ausatmungsluft, Husten). Die Infektion ist hochansteckend. Symptome treten 2-30 Tg. nach Ansteckung auf. Symptome: Leichter bis starker, trocken-bellender Husten, teils bis zum Erbrechen, Schnupfen, Angina. Auch fieberhafte Lungenent- zündungen können vorkommen. Therapie: Der Husten muß von selbst ausheilen, da noch keine Medika- mente direkt gegen das Virus wirken. Ihr Tierarzt kann nur die Symptome lindern (Hustenreiz mildern, Fieber senken, Antibiotika wenn nötig).
Ansteckende Leberentzündung (HCC)
Erreger: Das Virus ist in der Umwelt mäßig widerstandsfähig. Übertragung: Bei direktem Kontakt oder indirekt über Kot oder Urin. Viele infizierte Tiere sind nicht krank, scheiden aber das Virus aus; Krankheitsausbruch 2-5 Tg. nach Ansteckung. Symptome: Leberentzündung (Leberschwellung, Erbrechen, Durchfall, fetthaltiger Kot), Angina, Fieber, Blutungen in die Unterhaut (rote Flecken), Lungenentzündung. Therapie: Nur Symptomenbekämpfung möglich
Leptospirose, Stuttgarter Hundeseuche
Erreger: Bakterien (Leptospiren) Übertragung: Urin von infizierten Hunden, Ratten und Mäusen. Symptome: oft ohne klinische Anzeichen oder aber mit Leber- und Nieren- erkrankungen. Anfangs Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen (Magenentzün- dung), Durchfall. Später Gelbsucht, vermehrtes Trinken, Muskelschmerzen, häufiges Urinieren. Spätfolgen können chronische Leber- und Nierenschwäche sein. Therapie: Antibiotika; unterstützend je nach Symptomen und Organ- beteiligung.
Tollwut
Erreger: Rhabdo-Virus Übertragung: Durch Biß (Speichel) kranker Tiere (Fuchs spielt wichtige Rolle). Die Krankheit ist auch für Menschen ansteckend!! Symptome: Das Virus verursacht eine Gehirnentzündung. Diese äußert sich zunächst in auffälliger Zahmheit, bzw. deutlicher Wesensänderungen (Wildtiere), später in starken Aggres- sionen und Rasereien. Als letztes Stadium sieht man meist Lähmungen (Kiefer, Schlucken, Beine). Therapie: Keine (da Übertragbar auf Menschen), sondern Einschläfern des Tieres!